Hochzeitslieder

Veröffentlicht am: Dienstag, 19. Juni 2012 von Administrator in:

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HOCHZEITSLIEDER

Und was man bei Ihrer Auswahl beachten sollte.

Selten hängt für zwei verliebte Menschen der Himmel so voller Geigen wie am Tag der Hochzeit. Es liegt nahe, diesen intensiven Augenblick des Ja-Worts musikalisch zu untermalen, um alle Gäste auf die gleiche emotionale Höhe zu bringen. Aber: für welchen Song soll man sich bloß entscheiden? Die Musikgeschichte liefert so viele schöne Stücke, dass die Wahl schwer fällt. Fein raus sind die Paare, für die nur das Stück in Frage kommt, das lief, als sie sich bis über die Halskrause ineinander verliebten. Schade für die älteren Verwandten, sollte es sich bei diesem „unserem Lied“ um eine der härtesten Nummern des Death-Metals oder eine verschrobene 12-Ton-Kompostion handeln. Doch, Kopf hoch! Eine traditionelle Hochzeit hat genug Bestandteile, dass jeder irgendwann auf seine Kosten kommen wird. Die kirchliche Zeremonie, die standesamtliche Trauung und der anschließende Eröffnungstanz des Brautpaares, all das will angemessen musikalisch begleitet sein.

Ein Hochzeitsmarsch – fast so sicher wie das Amen in der Kirche

 

Vor allem bei der kirchlichen Hochzeit wird gerne auf ein klassisches Repertoire zurück- gegriffen. Das ist nicht nur Geschmackssache, sondern eine Auflage der geistlichen Hausherren. So kann auch nicht jedes Lied für die Messe ausgewählt werden. Das Sanctus beispielsweise als fester Bestandteil des Hochgebets darf durch keinen anderen Gesang ersetzt werden. Für andere Phasen der Messe bietet sich ein gewisser Spielraum, so für den Einzug der Braut, die Kommunion, den Moment nach der Lesung oder den Auszug. Doch auch hier gilt, dass die Melodie der liturgischen Feier musikalisch und inhaltlich entsprechen muss. „Highway to Hell“ von AC/DC ließe sich also wahrscheinlich nicht einmal gegen eine großzügige Spende durchsetzen, auch wenn der eine oder andere unglücklich verheiratete Gast das vielleicht ganz passend findet.

Stattdessen schlägt das kirchliche Protokoll Gospels oder einige Perlen der klassischen Musik vor. Ganz vorne natürlich steht der Hochzeitschor aus der Oper Lohengrin von Richard Wagner. In Deutschland ist diese Melodie so fest mit dem Einzug der Braut verknüpft, dass beim Erklingen der ersten Takte sofort Gedanken an traumhafte Kleider, glückliche Gesichter und gezückte Taschentücher aufkommen. Man muss nur sanft ein leises Ta-ta-tatam, Ta-ta-tatatam intonieren – schon geht das Kopfkino ab. Ähnlich assoziativ ist der Hochzeitsmarsch aus dem Sommernachtstraum von Felix Mendelssohn-Bartholdy. Er liegt in den USA ganz vorne auf der Beliebtheitsskala und ist daher aus einschlägigen Hollywoodfilmen wohlbekannt. Wer es etwas ausgefallener mag, kann anstelle der bekannten Märsche auf Händels „Ankunft der Königin von Saba“ oder „Jesu bleibet meine Freude“ von Johann Sebastian Bach zurückgreifen. Auch eine andere Komposition von Mendelssohn-Bartholdy könnte zum Einsatz kommen: Das „Allegro Maestoso e Vivace“ aus der Sonate No. 3.

Für den besinnlichen Part nach dem Trauungssegen stehen die „Ave Maria“ aus der Feder von Franz Schubert oder Johann Sebastian Bach hoch in der Gunst der Hochzeitsplaner. Zudem wird empfohlen, bei der Auswahl der Lieder an das Gemeinschaftsgefühl zu denken. Ein aus voller Brust geschmettertes Gospel oder ein „Lobet den Herrn“ zum Ende der Messe bringt die ganze Gesellschaft in eine feierliche Stimmung und beflügelt so die Atmosphäre für die spätere Feier.

Vorsicht! Nicht jedes Lied handelt vom großen Glück!

 

Bei der standesamtlichen Hochzeit stehen vor allen Dingen die großen Gefühle des Brautpaars im Vordergrund. Man mag Gott danken, dass einem die große Liebe begegnet ist. Besingen muss man es nicht. Stattdessen kann man musikalisch den Partner hochleben lassen und ihm (oder ihr) für ewige Zeiten Treue schwören. Dabei erweist es sich bei der großen Bandbreite von Liebesliedern, die die Musikgeschichte hervorgebracht hat, natürlich alles andere als leicht, den passenden Song zu finden. Kein Wunder, dass die Frage angeregt in diversen Hochzeitsforen diskutiert wird. Vergleicht man diverse Hochzeitscompilations und die Auskünfte aus den Foren kristallisiert sich aus der Vielzahl von Möglichkeiten eine kleine Hitparade von Favoriten heraus. Hier eine Liste der häufigsten zehn Nennungen:

 

• Jennifer Rush (oder Céline Dion, Laura Branigan): „The Power of Love“

• Metallica: „Nothing Else Matters“

• Whitney Houston (oder Dolly Parton): „I Will Always Love You“

• Elvis Presley: „Can’t Help Falling in Love with You“

• Lionel Richie: „Three Times a Lady“

• Sinéad O’Connor: „Nothing Compares 2U“

• Bosson: „One in a Million“

• Anastacia/Eros Ramazzotti: „I Belong to You“

• Elton John: „Can You Feel the Love Tonight“

• Diverse Interpreten: „Amazing Grace“

 

Bevor man sich abschließend entscheidet, sollte man allerdings die Texte einer eingehenden Prüfung unterziehen, denn nicht alle passen thematisch zu einer Hochzeit. So schwört Whitney Houston zwar mit eindrucksvoller Stimmgewalt ewige Liebe – doch dabei spricht sie den Mann an, von dem sie sich gerade getrennt hat. Sie bedankt sich für die Zeit, die man zusammen hatte und wünscht ihm für sein weiteres Leben alles Gute. Das lässt nicht gerade hoffen.

 

Sinead O’Connor befindet sich keinesfalls im schimmernden Fluidum eines Liebeshochs, wenn sie feststellt, dass ihr Liebster unvergleichlich ist. Ganz im Gegenteil: der Mann hat sie just verlassen und die arme Frau möchte vor Leid am liebsten bersten.

Auch „Three Times a Lady“ ist nicht ganz eindeutig eine Hymne, die hoffnungsvoll in die Zukunft weist, gibt es doch die Textzeile: „And now that we’ve come to the end of our rainbow, There’s something, I must say out loud“ (Und nun, wo wir am Ende unseres Regenbogens angekommen sind, gibt es etwas, das ich Dir laut sagen muss). Zwar relativiert sich das relativ ausgenüchterte Statement am Ende des Textes wieder. Es bleibt aber in gewisser Restzweifel, ob es hier wirklich um eine aufstrebende Beziehung geht.

 

„Amazing Grace“ lautet der Titel eines weiteren Klassikers, der viele Hochzeits-CDs schmückt. Er hat jedoch gar nichts mit der großen Liebe zu tun: Der Text erzählt davon, wie ein böser Sünder zu Gott fand. Dem Vernehmen nach entstand das Lied, als ein knorriger Sklavenhändler wie durch ein Wunder einen schweren Sturm auf See überlebte, was er als eindeutigen Gottesbeweis wertete. Schwer beeindruckt änderte er seinen Lebenswandel und verarbeitete seine Rührung in einem Song.

 

Gar nicht so leicht zu finden: das musikalische Eheversprechen

Sehr viel passender für eine Hochzeit erscheint Metallicas Ballade „Nothing else matters“, in der eine selbstbewusste Partnerschaft beschrieben wird. Es geht um zwei Menschen, die sich gegenseitig Liebe, tiefes Vertrauen und Offenheit entgegenbringen – und dabei gleichzeitig darauf pfeifen, was die anderen über sie denken könnten. Wenn das mal keine guter Vorsatz ist! Auch das Duett „I Belong to You“ von Anastacia und Eros Ramazzotti geht in die richtige Richtung, beteuern sich doch zwei Menschen hier gegenseitig wie sie einander immer wieder Halt und Inspiration geben.

 

Lieder, die die Zweisamkeit besingen, sind allerdings vergleichsweise dünn gesät. Als sehr viel reichhaltiger erweist sich die Auswahl an musikalischen Liebeserklärungen, in denen ein Mann seine Verehrung für eine Frau ausdrückt und umgekehrt. Der Gerechtigkeit halber wäre es darum keine schlechte Idee zwei Lieder zu spielen, die die Partner sich gegenseitig widmen. Céline Dions „Power of Love“ beispielsweise liest sich wie ein Eheversprechen, das stete Zuverlässigkeit und Treue in Aussicht stellt. Ein schöner Evergreen in dem Kontext wäre auch Aretha Franklins „I Say a Little Prayer“ (Forever and ever, you’ll stay in my heart). Der Bräutigam kann mit Elvis „Can’t help falling in love with you“ kontern oder mit Bossons „One in a million“. Denn welche Frau hört nicht gerne, dass ihr Mann nur Augen für sie hat und sich immer und immer wieder in sie verlieben könnte?

 

Mit dem Hochzeitswalzer in den Siebten Himmel

Wenn nach dem üppigen Hochzeitsmenü der Kaffee serviert wird, beginnt der gemütliche Teil der Feier. Wahrscheinlich sind hier schon alle Reden gehalten, die Spannung, die in der Luft lag, hat sich gelegt und ist gemeinsamer Ausgelassenheit gewichen. Bei einer traditionellen Hochzeit eröffnet der Brautwalzer diese legerere Phase des Fests. Dabei hat das Paar beispielsweise die Wahl zwischen einem langsamen Walzer und einem Wiener Walzer. Für letzteren fällt die Wahl gerne auf den Klassiker „An der schönen blauen Donau“ von Johann Strauss oder den Doris-Day-Evergreen „Whatever Will Be, Will Be (Que Sera, Sera)“. Darüber hinaus stehen viele weitere klassische und moderne Titel im Angebot. Dazu gehören allerdings auch wieder einige, die inhaltlich nicht ganz den Geist einer Hochzeit widerspiegeln. So erzählt die herrliche, melancholische Ballade „Where the Wild Roses Grow“ von Nick Cave und Kylie Minogue die Geschichte eines Mannes, der seine über alles Geliebte am Fluss mit einem Stein erschlägt und anschließend eine Rose in ihrem Mund pflanzt. Denn alle Liebe ist seiner Meinung nach sterblich. Sam Brown stellt in „Stop“ ihren Geliebten zur Rede, den sie auf der anderen Straßenseite eng umschlungen mit einer anderen Frau gesehen hat. Sie fleht in an, mit dem Spiel aufzuhören und nicht weiter auf ihren Gefühlen herumzutrampeln. Das ist nicht gerade der Stoff, mit dem Mann und Frau in die Ehe einfahren sollten. Sehr viel positiver wäre da „That’s Amore“ von Dean Martin, unverfänglicher das atmosphärische „Golden Brown“ von den Stranglers.

 

Besonders romantisch wird es beim Langsamen Walzer. Allen voran lässt Hildegard Knef für den gemeinsamen Tanz in den Siebten Himmel rote Rosen regnen. Noch verträumter wäre „Moon River“, der Audrey-Hepburn-Klassiker aus „Frühstück bei Tiffany’s“. Eine herrliche emotionale Dichte geht von „The Greatest Love of All“ (Whitney Houston oder George Benson) aus. Doch auch hier empfiehlt es sich, im Vorfeld den Text etwas näher zu betrachten. Denn die größte Liebe sollte nach Meinung der Komponisten Linda Creed und Michael Masser der eigenen Person gelten. Da ist natürlich auch etwas Wahres dran: Denn nur, sich selbst schätzt und akzeptiert, kann seinem Partner besonders gut Halt und Stärke geben. Nicht gerade ein üblicher Hochzeitsgedanke, aber keine schlechte Voraussetzung für ein erfülltes gemeinsames Leben.

 

Autor: Edith Obermaier, freie Journalistin, hat lange Jahre selbst Hochzeiten organisiert. Die Auswahl der Musik lag ihr hier besonders am Herzen. Heute arbeitet sie unter anderem für die Ressorts Partyservice Berlin, Partyservice Hamburg und Partyservice München bei dastelefonbuch.de.