Hochzeitslader – Der bessere Weddingplaner?

Veröffentlicht am: Sonntag, 17. Januar 2010 von Ulrike Luecke-Bongartz in: Allgemein

Wer kennt noch den Hochzeitslader? – Eventmanager können ihm meist nicht das Wasser reichen – eher von ihm noch etwas lernen!

Fragt man die Leute, wissen manche noch recht gut, was sich unter dem Begriff des Hochzeitsladers verbirgt! Und auch, dass dieser meist im Süden Deutschlands Aufgaben hatte, die mit dem guten Gelingen einer Hochzeit verbunden sind. Doch selbst heute noch ist der Hochzeitslader in vielen Gegenden – insbesondere den ländlichen – sehr gut beschäftigt. Er wird aktiv, sobald die Hochzeitsabsichten von zwei Brautleute bekannt geworden sind – insbesondere wenn der Termin feststeht und die Vereinbarungen für die Hochzeit getroffen wurden.

Hoch angesehen und der Obrigkeit verpflichtet, hatte der Hochzeitslader früher einen hohen Stand in der Gesellschaft. Sobald ihm der Hochzeitstermin bekannt gegeben wurde, zog er sich festlich an und ging zu den Gästen, um sie offiziell einzuladen. Doch damit ist die Geschichte längst nicht am Ende! Die ganze Organisation, das Ausrichten der Festlichkeiten, die Bestimmung der Einzelheiten bis ins Detaille, all das lag in seinem Aufgabenbereich. Er hatte dafür zu sorgen, dass der Tag wirklich zum Schönsten im Leben der Hochzeiter wurde. Er führte dann auch noch den Brautzug an, begleitete die Gäste zu ihren Plätzen, las Gedichte vor und unterhielt das anwesende Volk mit allerlei schönen und amüsanten Geschichten.

Bereits die ganze Vorbereitungszeit wirkte er als guter und intelligenter Geist und Macher und war im wahrsten Sinne des heute modernen Wortes ein Allround Künstler, ein Handwerker, Organisator und Kommunikator gleichermaßen . Ohne Telefon und Faxgerät und ohne moderne Kommunikationsmittel, bewerkstelligte er Hochzeiten und war ein gemachter und gefragter Mann, viel beschäftigt und ehrenvoll behandelt.

Auch heute noch organisiert der Hochzeitslader – vorzugsweise in der Oberpfalz und in Niederbayern – große Hochzeiten, wenn auch nicht mehr meistens 1.000 Gäste und mehr dabei sind, wie das früher bei großen Hochzeiten, insbesondere auf dem Land, üblich war. Und so erkennt man den Hochzeitslader bis heute insbesondere am Rosmarienzweig und rotem Band am Hut und einen Stock mit Bändern in den Farben blau für die Treue, rot für die Liebe und grün für die Hoffnung.

Immer noch ist es allerdings seine schwierigste Aufgabe, mundartliche Verse über die Spender der einzelnen Geschenke vorzutragen. Und so hat denn diese Fähigkeit auch einen eigenen Ausdruck erhalten und es heißen diese vier- oder mehrzeiligen Hochzeitsreime auch „Gstanzeln“.

Ein Kommentar

  1. Christa Riel 27. März 2012 um 23:12

    Hallo Zusammen,

    mit Interesse habe ich diesen Beitrag gelesen. Ich freue mich, dass dieses Brauchtums-Thema wieder mehr in das öffentliche Licht gerückt wird, da ich als Hochzeitsladerin in München und in der Oberpfalz aktiv bin. Bald habe ich wieder eine Hochzeit und freu ich darauf andere an ihrem „schönsten Tag des Lebens“ begleiten zu dürfen.

    Viele Grüße – die Laderin Christa

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