Hochzeit auch ohne Aussteuer in China

Veröffentlicht am: Freitag, 12. August 2011 von Ulrike Luecke-Bongartz in: Allgemein

China erlebt Trendwende – Hochzeit auch ohne Aussteuer – Jugend rebelliert gegen dogmatische Voraussetzungen

Es ist noch gar nicht so lange her, da beschrieben wir die materiellen Voraussetzungen, die in China herrschen, wenn man heiraten möchte. In einem Land, dass sich keiner Staatsreligion bedient und wo der Kommunismus weitgehend die öffentlichen Zeremonien bestimmt, ist das Sakrament der Ehe natürlich völlig unbekannt und dient das Heiraten in allererster Linie der Verbesserung dem Alltagsleben eines Paares.

Junge Leute heiraten in China gemäß den Vorstellungen und Wünschen der Eltern und Schwiegereltern, was im Besonderen mit der wirtschaftlichen Ausstattung zu tun hat, die als Voraussetzung für das Gelingen einer Ehe angesehen wird. Arm sein ist in China keine annehmbare Voraussetzung für den Schritt zum Traualtar und mindestens ein Haus oder eine Wohnung muss man mit in die Ehe bringen und auch ein Auto gehörte bisher wie selbstverständlich zu den Standards einer Mindestausstattung, sprich Aussteuer der Brautleute.

Der neue Trend in China – von fast 50 Prozent der befragten jungen Leute bestätigt – geht aber dahin, einfach zum Standesamt zu gehen und sich ohne jegliche materielle Gaben und Accessoires trauen zu lassen. „Die Liebe reicht uns“, sagen viele jungen Chinesen heute – und wenn das auch noch nicht mehrheitlich Brauch ist, so macht diese bereits ab und zu praktizierte Haltung doch ganz schön Furore!! Im hier beschriebenen Fall kauften die Eltern schnell eine Wohnung und ein Auto, um nur ja nicht aus dem gesellschaftlichen bisher gepflegten Rahmen heraus zu fliegen. Die Schmach hätten sie nicht ertragen, dass Freunde, Verwandte und Bekannte auf sie – als sozusagene Rabeneltern – mit dem Finger zeigten.

Hier bei uns in Europa, wo man mehr mit folkloristischen Attitüden heiratet und die Zeremonien mit Humor und einer gewissen Nonchalance praktiziert, – wenn es auch nicht immer so wirkt – sich selbst der Adel mittlerweile über den Wunsch nach standesgemäßer Braut oder Bräutigam hinwegsetzt – ist es kaum noch vorstellbar, dass die Eltern bestimmen, wie es „zu gehen hat“. Nun, ob in China auch noch mehrheitlich die Braut oder der Bräutigam von den Eltern ausgesucht werden, können wir hier jetzt nicht bestätigen.

Eines aber ist bestimmt sicher: in einem Land, dass mit einer Einkindstrategie leben muss, um nicht restlos aus allen Nähten zu platzen, konzentriert sich die Führsorge der Eltern und Verwandtschaft bestimmt sehr viel mehr auf diesen einen Sprössling, als das bei uns zu beobachten ist.

Wie lange noch und wie viele Menschen in China an das chinesische Sprichwort glauben werden, wonach für arme Paare alles schief läuft, wissen wir natürlich nicht. Und so gelten denn weiterhin für Viele vorerst die Worte des 50jährigen Chinesen Wang Shugin: „Das ideale Leben für Chinesen ist ein friedliches und wohlhabendes Leben. Eine Ehe ohne ein solides materielles Fundament ist unstabil“.