Die Hochzeit – bis vor Kurzem das wichtigste Ereignis

Veröffentlicht am: Donnerstag, 23. Oktober 2008 von Ulrike Luecke-Bongartz in: Allgemein

Interessante Einblicke in Chinas Geschichte der Frau

Dass es in China vielfach anders zu geht als bei uns im Westen, ist uns ja spätestens seit Marco Polos Reiseberichten bekannt. Trotzdem mutet es uns in heutiger Zeit ungemütlich an, was Dr. Bruno Richtsfeld, der Leiter der Ostasienabteilung des Staatlichen Museums für Völkerkunde München, in einem Vortrag im Öttinger Völkerkundemuseum den Zuhörern über die völlig fremde Welt der Frauen in China mitzuteilen hatte. 

Stark von den Lehren Konfuzius geprägt, hatte das Leben der Frauen in Chinas Gesellschaft, angefangen von der Song-Dynastie im 13. Jahrhundert bis zum Ende der Kaiserzeit 1912, zwar viele Facetten! Trotzdem war die Hochzeit das wichtigste Ereignis im Leben einer Frau, denn sie entschied über ihr künftiges Schicksal. Schon früh wurden die Mädchen auf den Hochzeitstag und die Ehe eingestimmt und nachdem sie im Alter von 7 Jahren von ihren Brüdern getrennt wurden, waren die folgenden 7 Jahre diesem einzigen Thema gewidmet, denn ab dem 14. Lebensjahr durften sie bereits verheiratet werden.

In höheren Kreisen, der sogenannten Oberschicht, hatten die Frauen überhaupt keine Chance, sich an der Suche für den passenden Ehemann zu beteiligen – das Gleiche galt für den Bräutigam, der auch keinen Einfluss auf die Wahl seiner Braut hatte. Lediglich in den Kreisen der Landbevölkerung, wo man zusammen die Landwirtschaft betrieb und auf den Feldern miteinander die Arbeit verrichtete, konnten die jungen Leute sich näher kommen, bevor sie „unter die Haube“ gebracht wurden.

Daher erstaunt es wenig zu hören, dass im traditionellen China der Einzelne fast nichts galt, sondern sich alles um die Familie drehte, aus der man kam. Sie war der Dreh- und Angelpunkt des Lebens und dem ordnete man sich natürlich unter. Nicht zuletzt ergaben sich dadurch eine unendlich erschienende Fülle von Situationen, die mit Heirat, Hochzeit, Familien, Traditionen und dem Ansehen der Gruppe zu tun hatten.